von Thomas Krohn, Pinneberger Tageblatt
PINNEBERG. Ein Ehrengast, der über die Bundeswehrreform referierte, und ein Vorsitzender, der von Umweltkatastrophen und der Eurokrise sprach: Beim Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbands am Wochenende gab es dieses Mal keine Rück- und Ausblicke auf die politische Situation vor Ort zu hören. Kreischef Ole Schröder begrüßte zur traditionellen Veranstaltung der Christdemokraten im Kreis etwa 400 Besucher im Pinneberger Hotel "Cap Polonio", darunter zahlreiche Kommunalpolitiker sowie Vertreter von Vereinen, Verbänden und der Bundeswehr.
Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im Berliner Innenministerium, war es gelungen, mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) einen prominenten Bundespolitiker in die Kreisstadt zu holen.
Wie es sich unter guten Freunden gehört, sparte Schröder nicht mit Lob für den Ehrengast. "Ich habe das Glück gehabt, unter ihm eineinhalb Jahre dienen zu dürfen", erinnerte er an die Zeit, als de Maizière noch Innenminister war. Und: "Er zeigt, wie man ein Ministerium höchst effizient und erfolgreich führen kann."
De Maizière gab das Lob nur allzu gern zurück: "Ole Schröder hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe, ist strukturiert und sofort lösungsorientiert. Sie können stolz sein auf Ihren Bundestagsabgeordneten". Hauptthema des Verteidigungsministers war jedoch die Bundeswehrreform, die sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg auf den Weg gebracht hatte.
Die Aussetzung der Wehrpflicht und die Reduzierung der Zahl der Streitkräfte könnten nicht ohne die Schließung von Standorten funktionieren, stellte de Maizière fest. Er gestand ein, dass das Land Schleswig-Holstein von der Reform besonders betroffen sei, da dort acht Standorte komplett wegfielen, zudem einige "so gut wie". Die Bundeswehrreform müsse ergänzt werden durch einen anderen Umgang miteinander in der Gesellschaft. "Das kann der Staat fördern, aber nicht selbst organisieren. Das muss in der Gesellschaft passieren."
Vor der Rede des Ministers hatte Schröder an die großen Ereignisse im vorigen Jahr erinnert. "Überschwemmungen, Hungerkatastrophen, das Reaktorunglück in Japan und der Arabische Frühling, das alles hat uns bewegt." Und zu Letzterem: "Ich hoffe, dass jetzt umsichtige Menschen die Dinge in die Hand nehmen und nicht die Radikalen. Die Geschehnisse erinnern uns daran, wie wichtig die Freiheit ist." In Sachen Eurokrise sei die Stabilität in Deutschland Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verdanken. Hinsichtlich der bevorstehenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein bemerkte der Kreisvorsitzende: "Das Schlimmste wäre, dass am 6. Mai Rot-Grün ans Ruder kommt und damit die Anstrengungen zur Haushalts-Konsolidierung umsonst waren."
Einen lokalen Bezug hatte der Neujahrsempfang dann doch noch: Brigitte Langrock aus Pinneberg, die vor 40 Jahren die Oma-Zentrale in der Kreisstadt ins Leben rief, erhielt den mit 1000 Euro dotierten Rolf-Bremer-Preis. Die Auszeichnung ist nach dem verstorbenen ehemaligen CDU-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten benannt und wird an Menschen oder Institutionen vergeben, die sich durch vorbildliches Verhalten besondere Verdienste erworben haben.